Elefanten AG

Anekdoten

Anekdoten und Geschichten unterscheiden sich von der Geschichte darin, dass sie in der Regel einer genauen Überprüfung nicht Stand halten - also im eigentlichen Sinne nicht wahr sind. Dafür werfen sie allerdings bezeichnende Schlaglichter auf die Personen, welchen man diese Taten durchaus zutraute. Deshalb wurden diese Anekdoten weitererzählt und teilweise auch aufgeschrieben. Meist handelt es sich um lustige Begebenheiten rund um die Fasnachtszeit, welche belegen, dass man auch früher schon närrische Dinge vollbrachte.

170 Pfund schwerer Krebs

Auf der ersten Fasnachtsausstellung der EAG - der Leipziger Messe 1883 - wollten die Elefanten den größten lebenden Krebs der Welt ausstellten. Dieses Ereignis wurde auf Plakaten und in der Zeitung groß beworben. Die Leipziger Messe fand im Innenhof der alten Post an der Marktstätte (später Straub, heute Müllers Markt) statt. In Ermangelung eines echten Tieres saß in einem Zelt seelenvergnügt in einem Lehnsessel der sehr beleibte Konstanzer Gerichtsvollzieher Krebs. Er sorgte für "zwerchfellerschütternden Belustigungen" unter den scharenweise erscheinenden Messebesuchern.

Elefanten fordern die Herausgabe des Narrenprivilegs von Stockach

Als es in den Anfangsjahren mit der EAG personell wie finanziell steil nach oben ging, das Ansehen unerwartet stieg und die Zeitungen voll der Lobeshymnen waren, forderte der Elferrat 1884 von den Stockachern ihr Narrenprivileg. Stolz und närrisch verschmitzt schrieb man an die Stockacher:

"Nach dem Urtheile weiser Narren ist unser Verein: Elefanten=Actiengesellschaft als der närrischste, lebensfähigste Narrenverein weit und breit zu betrachten! Nun haben wir aber erst nach dem Fasching wahrgenommen, daß wir eigentlich nicht einmal im Besitze eines Narren-Privilegiums uns befinden. Da uns nun zu Kund und Wissen gethan wurde, daß in der früher so närrischen Stadt Stockach das Narrenthum ganz ausgestorben sei, sintemal diese Fasnacht weder Auf=, Um= noch Ein= und Abzug stattgefunden hat, und daher Euer altes Narrenprivilegium für Euch Stockacher Narren überflüssig geworden ist, so richten wir hierdurch an Euch die hochnarrenweise Frage, ob wir Elefanten das fragliche Narrenprivilegium nicht für uns, sei es durch Schenkung, Kauf oder im Submissionswege erwerben könnten.
Wir entbieten Euch indessen unsern närrischen Gruß!
Konstanz, am 28. Narrenmonat des Jahres 1884."

Tief erstaunt bis fassungslos war die Antwort der Stockacher auf 4 Bogen Papier vorgebracht. Man schrieb, dass "neidische Narren=Corporationen anderer Orte" den Stockachern "das vor 533 Jahren verliehene Narrenprivilegium mißgönnen". Humoristisch verschmitzt fuhr man fort, dass vom Elferrat in Konstanz "aus der Mücke ein Elefant gemacht worden ist."
Dann kam es jedoch knüppeldick:

"Unter den obwaltenden Umständen müssen wir es zum mindesten für eine Unkenntnis unserer Narrenverhältnisse erklären, wenn Ihr Elefanten glaubt, daß wir Euch unser Privilegium um schnöden Geldes willen ablassen könnten.
Diese Zumutung ist für uns Stockacher Narren eine wahrhaft kränkende und richtet uns in unserem tiefgekränkten Narren=Ehrgefühl nur der Gedanke auf, daß Ihr Konstanzer den Kaufpreis für unser Privilegium doch nicht aufzubringen vermöchtet. Ein derartiger Kauf würde auch gerade jetzt bei Euren Kassenverhältnissen, wo nichts wie 'Defiziter' zu finden sind, ein Ding der Unmöglichkeit sein. Aber in 100 Jahren wollen wir weiter darüber reden. Wir geben unser Privilegium nicht her und werden unser Panier mit unserem Geld und Leben bis aufs letzte verteidigen. Eben deshalb kann auch nicht die Rede sein, daß wir Euch unser Privilegium schenken oder daß es gar im Submissionswege in Euer Eigentum übergeht. Dies letztere Ansinnen verzeihen wir Euch aber nicht. Wir haben daher beschlossen, Euch hierfür zu bestrafen, indem wir am nächsten Fasching eine auserlesene Zahl Stockacher Gurgelhelden zu Euch entsenden, damit diese Euer Saufkonto mit einem neuen Defizit belasten.
Nichtsdestoweniger werden wir Eurer immer in aufrichtiger Narrenfreundschaft gedenken und über Euch wachen, damit Ihr nicht auf Narren=Irrwegen geratet. Mit dem Wunsche, daß das Narrenthum und insbesondere die 'Elefanten-Aktien=Gesellschaft' in Konstanz immer mehr blühen und gedeihen möge, entbieten wir Euch unseren närrischen Gruß!
So gegeben in der Narrenstadt Stockach am 13. März im 533ten Jahr unseres Bestehens.
Das grobgünstige Narrengericht."

So wie die Stockacher tatsächlich ihre Gurgelhelden nach Konstanz entsandten - u.a. als Paten zur ersten Fahnenweihe der EAG 1895 - so erinnerten sich die Elefanten 100 Jahre später wieder an die Zusage der Stockacher und fragten frech nochmals nach dem Privilegium.
1911 wurden die Elferräte der Elefanten nach Stockach eingeladen und ihn ihnen der Hans-Kuoni-Orden verliehen.
So wurde das dreiste Ansinnen zum Beginn einer bis heute gepflegten Freundschaft.

Reise nach Wildwest - oder der teuerste Fasnachtsumzug

Als Buffalo Bill Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem Zirkus durch Europa tourte, wurden die Elefanten, welche auch damals schon jedes aktuelle Thema sofort aufgriffen, zu einem spektakulären Fasnachtsumzug inspiriert: Man stellte 1892 Buffalo Bill bei der Jagd nach den Bisons dar. Dazu benötigte man eine ganze Herde Büffel. Mangels derartiger Tiere vor Ort lieh Papa Noppel sich ersatzweise von einem Bauern eine Anzahl an Rindern. Diese wurden dann mit brauner Farbe zu Prärie-Büffeln umgemalt und ihre Hörner mit Metallrohren verlängert. Zusätzlich erhielten die Tiere Rosshaarmähnen. Der Fasnachtsumzug soll ein Erfolg gewesen sein, insbesondere weil Papa Noppel als Sioux-Indianer mit tollkühnen Sprüngen und Reiterkunststücken auf einem der Ochsen ritt.
Leider überlebten die Tiere den Anstrich nicht. Während die Veterinärmedizin von dieser Erkenntnis - quasi dem ersten großangelegten Tierversuch in freier Wildbahn - profitierte, traf es die Elefanten-Kasse hart, da man dem Bauern den Schaden ersetzen musste. Es soll der teuerste Fasnachtsumzug aller Zeiten gewesen sein.

Der Postkutschenüberfall

Angesteckt von Karl May, Cowboys und Indianern inszenierten die Elefanten zum Sonntagsumzug Ende des 19. Jahrhunderts einen Postkutschenüberfall auf der Marktstätte. Man hatte sich eine echte Postkutsche mit zahlreichen Pferden geliehen und diese amerikanisch ausgestaltet, dazu die Elferräte als Cowboys in Kostüme gesteckt und als Indianer auf richtigen Pferden organisiert, welche die Postkutsche jagten. Den Elferräts-Indianern soll der Eifer durchgegangen sein, den verteidigenden Cowboys oben auf der Kutsche die Revolver, dem Postkutscher daraufhin die Pferde und als man gemeinsam im wilden Galopp um die Kurve der Marktstätte jagte, gerieten die Kutsche und einige Pferde ins Rutschen.
Man hatte völlig vergessen, dass im Januar im Konstanz, angesichts des tiefen Winters, überall Glatteis herrschte - ganz im Gegensatz zu den staubigen Pisten der amerikanischen Prärie.
Neben Sachschaden soll es auch einige Verletzte gegeben haben.

Kameltreiber

Kurz nachdem 1886 die Narrengesellschaft Kamelia Paradies gegründet worden war, sollen Elferräte der Elefanten sich 1887 als Kameltreiber verkleidet haben und in einer eigenen großen Kameltreibergesellschaft Kamele durch die Stadt getrieben haben.

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Fasnacht gemeinsam feiern

Anekdoten aus den Archiven der EAG ausgegraben von Dr. J. Schuhmacher

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